Kobolde der Nacht im Nationalpark Berchtesgaden

Es gibt sie seit 50 Millionen Jahren, sie fliegen lautlos und finden auch in absoluter Dunkelheit zielsicher ihre Beute. Jeder kennt sie, doch zu Gesicht bekommt man sie fast nie. Die Rede ist von Fledermäusen. Über 25 Arten leben in Deutschland und alle sind streng geschützt. Angst braucht man vor ihnen nicht zu haben: Die […]
© HJ Fünfstück

Es gibt sie seit 50 Millionen Jahren, sie fliegen lautlos und finden auch in absoluter Dunkelheit zielsicher ihre Beute.
Jeder kennt sie, doch zu Gesicht bekommt man sie fast nie. Die Rede ist von Fledermäusen. Über 25 Arten leben in Deutschland und alle sind streng geschützt. Angst braucht man vor ihnen nicht zu haben: Die in Mitteleuropa vorkommenden Arten sind ausschließlich harmlose Insektenjäger, auf ihrem Speiseplan stehen zu Beispiel Mücken, Nachtfalter und Käfer.

Im Nationalpark Berchtesgaden sind bisher  14 Arten dieser fliegenden Säugetiere nachgewiesen. Sie leben mitten unter uns und kommen sogar auf den Almen des Nationalparks vor. Geduldige Beobachter können Wasser-, Zwerg-, Rauhhaut und Bartfledermaus an den unterschiedlichsten Orten finden und auch der Große Abendsegler, das Braune Langohr oder die seltene Mopsfledermaus sind im Nationalpark heimisch. Besucher, die mehr über die „Kobolde der Nacht“ erfahren wollen, können bei  der Abendwanderung „Fledermäuse am Hintersee“ vieles über Jagdstrategien oder das Fortpflanzungsverhalten dieser faszinierenden Tiere erfahren. Termine stehen im Wander- & Veranstaltungsprogramm des Nationalparks oder unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de

Mit etwas Glück kann man die flinken Jäger auch selbst entdecken: Nicht nur in den Tallagen, sondern auch an hoch oben in den Bergen wir am Watzmannhaus (1.960m), an der Neuen Traunsteiner Hütte (1.560 m) und am Kärlingerhaus (1.638 m) sind regelmäßig Vertreter dieser einzigen fliegenden Säugetierfamilie zu beobachten. Die Nähe zum Menschen ist dabei nicht verwunderlich, denn Fledermäuse mögen es warm. Sie fühlen sie sich auf Dachböden, in Kellern oder in Mauernischen wohl, die ihnen gleichzeitig auch einen sicheren Unterschlupf vor der Witterung und vor Feinden bieten. Natürliche Behausungen der nachtaktiven Insektenjäger sind Baum- und Felsenhöhlen. Gerne werden alte, nach oben ausgefaulte Spechthöhlen oder Astlöcher besiedelt. Aber selbst die sicherste Höhle bietet nur bedingten Schutz. Fledermäuse  müssen ständig auf der Hut sein vor ihren natürlichen Feinden. Vor allem bei tag- und nachtaktiven Raubtieren wie Mardern, Greifvögeln und Eulen stehen Fledermäuse weit oben auf dem Speiseplan.
Zwischen den Sommer- und Winterquartieren der Fledermäuse gibt es große Unterschiede: Sommerquartiere müssen vor allem warm und trocken sein. Hier leben Tiere beiderlei Geschlechts zwar zusammen, allerdings räumlich streng voneinander getrennt. In den so genannten Wochenstuben ziehen die Weibchen ihren Nachwuchs groß, der zumeist aus einem, ganz selten aus zwei Jungtieren besteht. Die Männchen haben hier keinen Zutritt! Im Winter hingegen mögen es Fledermäuse lieber feucht, kühl und vor allem frostfrei, damit die Tiere ihren Winterschlaf gefahrlos verbringen können. Über die Sommermonate legen sich die Tiere einen Fettvorrat an. Während des Winterschlafes senken Fledermäuse ihre eigene Temperatur bis auf einige Zehntel über ihrer Umgebungstemperatur ab, um ihren Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Lediglich der Sauerstofftransport über das Blut muss noch gewährleistet werden können.

Fliegen und Jagen mit Echoortung

Fledermäuse haben eine Flughaut, die sie mit ihren übergroßen Händen auffalten können. Dabei sind vier Finger extrem stark ausgebildet, lediglich der Daumen ist als kleine Kralle erkennbar. Ihre Nahrung orten sie im Flug über ein einzigartiges Echoortungssystem, mit dem sie sogar in der Lage sind, zwischen gut schmeckenden und ungenießbaren Insekten zu unterscheiden. Dabei wird das je nach Fledermaus-Art entweder durch die Nase oder den Mund ausgesandte akustische Signal von der Beute reflektiert und über die Ohren wieder aufgenommen. Auf diese Weise können sich Fledermäuse ihre Umgebung nahezu bildlich vorstellen und  sich so blitzartig orientieren. Zielsicher fliegt der lautlose Jäger auf seine Beute zu, wobei diese meist nicht mit dem Mund gefangen sondern im Flug mit der Flügelhaut eingekeschert wird.

Flinke Jäger in Gefahr

Fledermäuse sind Säugetiere, die es schon seit über 50 Millionen Jahren auf der Erde gibt. Umweltveränderungen durch uns Menschen haben in den letzten Jahrzehnten zu drastischen Bestandsrückgängen der fliegenden Insektenjäger geführt. Mitarbeiter des Nationalparks Berchtesgaden sind in regelmäßigen Abständen unterwegs, um die Bestände zu erfassen. Nutzen Sie die Chance, sich aus erster Hand über die flinken Jäger der Nacht zu informieren!  Termine gibt es im Juli und August.
Oliver Pohl, Nationalpark Berchtesgaden

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