Das Tor zum Steinernen Meer

Man muss in Berchtesgaden nicht ans Mittelmeer fahren, um an ein Meer zu gelangen. Hierfür reicht schon die Überfahrt mit dem Schiff über den Königsee nach St. Bartholomä. Von hier gelangt man zum Funtensee, dem Tor ins Steinerne Meer. Allerdings darf man nicht den Fehler begehen und einen Strand mit Bademöglichkeit erwarten. Vielmehr handelt es sich beim Steinernen Meer um ein Meer aus Steinen.
Dieses Meer aus Steinen umfasst eine rund 150 km2 große, weitgehend vegetationslose wellige Hochfläche zwischen dem Funtensee im Norden und dem Riemannhaus im Süden, sowie dem Großen Hundstod im Westen und dem Brandhorn im Osten. Die Zugänge zu dieser Hochfläche sind allesamt weit und beschwerlich, den einfachsten Zugang vermittelt der Aufstieg vom Königssee über die sogenannte Saugasse. Er ist als einziger Weg einigermaßen ausgebaut und weist keine versicherten Stellen aus. Wobei auch dieser Weg zum Teil ausgesetzt an den Steilufern des Königssees entlang führt.
Nach der – möglichst frühzeitigen – Überfahrt mit dem Linienschiff über den
Königsee und dem unvermeidlichen „Echo“ leitet der Anstieg zunächst gemächlich von St. Bartholomä am Seeufer in südlicher Richtung entlang. Nachdem die weite Schotterfläche überquert ist, führt der Weg breit ausgebaut in das Steilufer des Königsees hinein. Bald gelang man an den imposanten Wasserfall des Schrainbachs, der den Weg im unteren Teil begleiten soll. Am Ausgang einer engen Schlucht wird der Bach auf einer Brücke überquert. Kurz darauf gelangt man zu einer schönen Aussicht zum Obersee und den dahinter gelegenen Teufelshörnern.
Nachdem das Steilstück des Hochstiegs überwunden ist, führt der Weg weit oberhalb des Schrainbach nun flacher verlaufend in das Schrainbachtal hinein. Bei der Schrainbach-Holzstube, die früher als Übernachtungsort für die hier tätigen Holzknechte diente, wechselt der Weg noch einmal über den Bach hinweg und leitet in wechselnder Steilheit in den imposanten Talkessel der verf. Unterlahneralm. Aus diesem Kessel führt nur ein Weg heraus, die Steilrinne der sog. Saugasse. Diese wird durch mehr als 30 Kehren in relativ angenehmer Steigung überwunden. Durch ein natürliches Felstor gelangt man in das Hochtal der ehemaligen Oberlahner Alm. Hier befindet man sich eigentlich schon am Unteren Ende des Steinernen Meeres. Die noch üppige und urwüchsige Bergwaldvegetation lässt einen aber noch nicht an ein Meer denken. Hierzu muss man erst am Kärlingerhaus und dem Funtensee vorbei.
Das zieht sich aber noch ein Stück, zunächst muss nach dem Hochtal ein weiterer Geländerücken über die sog. Kleine „Saugasse“ überwunden werden. Wenn von links der Steig, der von der Wasseralm zum Kärlingerhaus führt, einmündet, hat man fürs erste die Steigungen hinter sich. Nun geht es leicht bergab in den Kessel des Funtensees. Oberhalb des Funtensees lädt das Kärlingerhaus zur Rast, oder besser noch zu einer Übernachtung ein. Denn bis hierher ist man vom Königssee je nach Kondition schon 2 ½ – 4 Stunden unterwegs. Will man im Rahmen einer Tagestour das letzte Schiff erreichen, heißt es sich sputen. Wer jedoch das Steinerne Meer in seiner ganzen Pracht erleben will, sollte in jedem Fall eine Übernachtung auf dem Kärlingerhaus einplanen.
Am besten im Herbst (September bis Mitte Oktober), wenn die Hütte nicht mehr so voll belegt von den „Alpenüberquerern“ oder Begeher der
„Großen Sommer-Reibe“ ist. Denn im Hochsommer ist es, selbst auf einer großen Hütte wie dem Kärlingerhaus, schwer einen Übernachtungsplatz zu finden. Im Herbst findet man eher ein „Plätzchen“. Dazu ist die Wetterlage im Herbst auch in der Regel stabiler ist als im Sommer. Anderseits muss man im Herbst auch schon mit Kälteeinbrüchen und Schneefall rechnen, denn der Großteil des Steineren Meeres liegt über 2.000 m.
Das Kärlingerhaus am Funtensee selbst liegt nur auf 1.630 m noch in der Vegetationszone, die endet erst ca. 200 Höhenmeter oberhalb des Funtensees. Wenn man in das Zentrum des Steinernen Meeres vordringen will, bietet sich vom Kärlingerhaus eine Rundtour (mit Einkehrmöglichkeiten) an. Hierzu folgt man zunächst dem Weg hinab zum See und überschreitet dahinter über eine Almfläche mit zahlreichen Murmeltieren und steigt daran anschließend durch lichtem Bergwald in Richtung Maria Alm auf. Im letzten Drittel führt der Weg dann über die nun vegetationslose, wellige Felsen-Hochfläche des Steinernen Meeres unterhalb der Schönfeldspitze entlang zum Riemannhaus. Nach einer kurzen Einkehr hält man sich auf dem Eichstätter Weg in nördlicher Richtung. Ständig über 2.000 m verlaufend führt dieser Steig unterhalb der das Steinerne Meer nach Westen begrenzenden Gipfel entlang in einigem Auf und Ab zu dem unterhalb des Hundstods gelegenen Ingolstädter Haus. Auch dieses lädt wieder zu einer Rast ein.
Zum Kärlingerhaus folgt man einem Steig unterhalb des Hundstods entlang nach Nordosten wieder zurück in den Kessel des Funtensees. Je nach Kondition bietet sich hier eine nochmalige Übernachtung am Kärlingerhaus an oder bei genügend Zeitreserve ein Abstieg zurück nach Königssee an. Ob man die Tour zum Funtensee als Tagestour von Königssee aus unternimmt oder noch eine 1-2- Tagestour in das Steinerne Meer anschließt, bleiben eindrucksvolle Erlebnisse und urtümliche Landschaften im Gedächtnis.

 



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