Steinadler „live“ im Nationalpark Berchtesgaden

Sieben ausgeflogene Jungvögel und außergewöhnlich gute Beobachtungssituationen an zwei Horsten im Jahr 2016 – das ist die Bilanz einer ganz besonderen Saison für das Adler-Team rund um Ulli Brendel und Jochen Grab. Und wie wird das Adlerjahr 2017?

Sieben ausgeflogene Jungvögel und außergewöhnlich gute Beobachtungssituationen an zwei Horsten im Jahr 2016 – das ist die Bilanz einer ganz besonderen Saison für das Adler-Team rund um Ulli Brendel und Jochen Grab. Und wie wird das Adlerjahr 2017?

Die Brutsaison ist eröffnet!

Das Steinadler-Projekt des Nationalparks Berchtesgaden ist eines der populärsten und langjährigsten Forschungsprojekte des Schutzgebiets. Bereits seit rund 17 Jahren lässt das Steinadler-Team mit seinen Projektleitern Ulli Brendel und Jochen Grab die »Könige der Lüfte« rund um Watzmann und Königssee nicht aus den Augen.

2016 war ein außergewöhnliches Adlerjahr: »Glunkerer«, »Hoher Göll«, »Ettenberg«, »Untersberg«, »Sonntagshorn«, »Bluntau« und »Blühnbach« heißen die Reviere, die im Beobachtungsgebiet eine neue Adlergeneration hervorbrachten. Gerade die vergangenen drei Brutjahre zeigen eindrucksvoll, warum ein Monitoring, also das systematische und zielgerichtete Beobachten, bei einer so langlebigen Tierart einen langen Atem braucht – immerhin ist ein Lebensalter von 20 Jahren bei Adlern mit eigenem Revier nichts Ungewöhnliches: 2014 waren es sieben Jungvögel, 2015 flog in  16 beobachteten Revieren dagegen nur ein einziger Jungadler aus. 2016 waren  es erneut sieben Adler, die bis Ende Juli ihre Horste verlassen haben. Diese starken Schwankungen sind nichts Ungewöhnliches und vor allem auf Witterungseinflüsse zurückzuführen.
Kühle Temperaturen und Regen setzen den Küken in den ersten drei  Lebenswochen besonders stark zu. Erst der über viele Jahre hinweg ermittelte, durchschnittliche Bruterfolg lässt Rückschlüsse über die Stabilität  einer Population zu.
In den Berchtesgadener Bergen zieht im Schnitt jedes dritte Adlerpaar jährlich  einen Jungvogel erfolgreich auf. Das scheint, zusammen mit dem Austausch mit der gesamtalpinen Population, für die Erhaltung der Art grundsätzlich auszureichen.
In der Brutsaison 2016 hatte das Stein­adler-Team aufgrund idealer Beobachtungsbedingungen in gleich zwei Revieren die Möglichkeit, Fotos und Videoclips von der  Aufzucht der jungen Steinadler im Horst anzufertigen. Die kurzen Filme sind im Nationalparkzentrum »Haus der Berge« und in der Infostelle »Klausbachhaus« zu sehen und lassen Besucher das Geschehen am Horst hautnah verfolgen – ohne die Adler zu stören.
Wer den König der Lüfte live erleben möchte, hat jeden Donnerstag Gelegenheit dazu:
Bei einer geführten Wanderung ins Klausbachtal geht es direkt hinein in den Lebensraum des Steinadlers. Dabei  erfahren die Teilnehmer viel Wissenswertes über sein Brutverhalten, bevorzugte Beutetiere und die Jagdstrategien des mächtigen Greifvogels.

Autor: Jochen Grab

Das Steinadlerprojekt im Nationalpark

Beginn: 1994
Inhaltliche Schwerpunkte: Monitoring der Teilpopulation und deren Entwicklung, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen zum Schutz des Steinadlers
Untersuchungsgebiet:
Berchtesgaden und angrenzende
Gebirgsregionen  (ca. 1.500 km)
zwischen Inntal und Salzachtal
Untersuchte Reviere pro Jahr:
ca. 16 (jedes Revier ist von einem
Adlerpaar besetzt)
Bekannte Horste: 98
(7 davon Baumhorste)

Das Projekt in Zahlen
seit 1994
Jungvögel: 102
Totfunde: 10
Partnerwechsel: 10
Aufgegebene Reviere: 2
Wiederbesiedelte Reviere: 1
PraktikantInnen: 212
Ehrenamtliche Helfer: 42
Horsteinstiege: 106
Führungen: 850
Teilnehmer an Führungen: 17.000

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