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Eine Freundschaft fürs Leben – eine Partnerschaft gegen den Tod

Es ist kalt. So kalt, dass der Atem gefriert und die Finger auch in dicken  Wollhandschuhen kaum mehr zu spüren sind. In den Radstädter Tauern im  Salzburger Land treibt ein eisiger Wind Schneekristalle vor sich her und die Sonne hat Mühe, sich durch die schweren Schneewolken zu kämpfen.  An diesen Tagen, an denen man sprichwörtlich „keinen Hund vor die Tür lässt“, läuft Retriever Luca zur Höchstform auf. Energisch und hoch konzentriert buddelt der fünfjährige Lawinenhund im Schnee, begleitet von ungeduldigem Bellen. Luca hat den verschütteten Skitourengeher gefunden!

Es ist ein Ehrenamt, das viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen fordert. Daraus machen die Hundeführer der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg kein Geheimnis. „Man sollte schon genau wissen, worauf man sich einlässt“, gibt Andreas Santner zu. „Schließlich ist unsere Staffel eine alpine Einsatzorganisation, die rund um die Uhr bereit ist, Menschenleben zu retten.“ Der 47-jährige aus Wals bei Salzburg ist Staffelleiter und seit rund 30 Jahren Mitglied der Organisation. Aus dem Einsatzgeschehen hat sich der erfahrene Hundeführer nach dem Tod seiner Schäferhündin vor einigen Jahren zurückgezogen. „Mit gutem Gewissen“, wie der sympathische Salzburger Wirtschaftssenator mit dem spitzbübischen Lächeln beteuert. „Wir sind eine super Truppe!“ Die Ausbildung der Hunde und Hundeführer hat Santner an ein qualifiziertes, 4-köpfiges Team übertragen, das für das Training der Hunde sowie für die alpine und medizinische Ausbildung der Hundeführer verantwortlich ist.

Jetzt steht der Winter vor der Tür und bald wird es ernst für drei junge Vierbeiner: Mischling „Haggis“, der belgische Schäferhund „Iron“ und Appenzeller-Mix „Leo“ müssen sich im kommenden Winter der entscheidenden Einsatzüberprüfung stellen. Doch bis es soweit ist, stehen noch einige Ausbildungsinhalte auf dem Programm. So lernen die drei Junghunde, dass Hubschrauber keine flatternden Ungeheuer sind, Sessellift- und Pistenbullyfahren fester Bestandteil im Lawinenhunde-Alltag sind und dass tief unter dem Schnee versteckt ein menschlicher Spielgefährte nur darauf wartet, den Hund mit seinem Lieblingsspielzeug oder einem leckeren Würstl zu belohnen.

Doch warum sucht der Hund eigentlich Menschen unter meterhohen Schneemassen? „Motivation heißt das Zauberwort“, erklärt Carolin Scheiter. Die 40-jährige Hundetrainerin, die in Berchtesgaden arbeitet und im Pongau zu Hause ist, leitet die rund drei Jahre dauernde Ausbildung zum einsatzfähigen Lawinenhund. Und sie ist überzeugt: „Nur wenn der Hund aus eigenem Antrieb heraus leidenschaftlich gern sucht, kann man sich im Einsatzfall auch wirklich auf ihn verlassen.“ In der Ausbildung lernen die Hunde, dass sich unter dem Schnee ein menschlicher Spielgefährte versteckt, der nur darauf wartet, vom Hund gefunden zu werden. Denn dann gibt´s für Iron, Haggis und Co. eine tolle Belohnung. Grund genug für die Vierbeiner, mit viel Freude und Eifer nach Menschen zu suchen – im Sommer wie im Winter.

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Aber ist ein Lawinenhund nicht immer riesengroß, mit weißbraunem Wuschelfell und einem Schnapsfass um den Hals? „Nein, keinesfalls“, schmunzelt Carolin über die häufig gestellte Frage interessierter Laien. „Als Rettungshund eignet sich nahezu jeder Hund, der einige wichtige Voraussetzungen mitbringt: Großer Arbeitswille, Gehorsam, eine gute Sozialisierung sowie körperliche Fitness.“ Und auch die Zweibeiner müssen fit sein am Berg: Eine überdurchschnittlich gute Kondition, sicherer Umgang mit Seil und Knoten sowie langjährige Skitouren-Erfahrung sind Grundvoraussetzung einer Mitgliedschaft.
Auch Stefanie Bleimer aus Saalfelden und ihr Einsatzhund Rocky stehen rund um die Uhr abrufbereit, um Menschenleben zu retten. „Ich bin Hundeführerin der Staffel, weil ich selber viel am Berg unterwegs bin und schon einige Male brenzlige Situationen miterleben musste. Durch mein Engagement möchte ich Menschen in Not etwas zurückgeben“, verrät die 35-jährige. Mit ihrem Rocky hat Stefanie die dreijährige Ausbildung absolviert und bereits zahlreiche Einsätze hinter sich. Heute in den Radstädter Tauern ist es jedoch nur ein Training – was für Lawinenhund Rocky aber keinen Unterschied macht: Er hat sich bis zum vermeintlichen Lawinenopfer durchgebuddelt und kaut zufrieden an seinem Würstl – als Belohnung für die geleistete Arbeit und zur Motivation für die bevorstehenden Aufgaben.
14 überprüfte Hund-Hundeführer-Teams der Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg stehen derzeit rund um die Uhr für Einsätze bereit, weitere sieben Junghunde befinden sich in der Ausbildung. Übrigens: Lawinenhunde sind im Sommer keineswegs arbeitslos! „Ganz im Gegenteil“, erklärt Staffelleiter Santner. „Einen Großteil unserer Einsätze haben wir im Sommer. Vermisste Bergsteiger, Wanderer und Schwammerlsucher suchen wir ebenso wie ältere oder orientierungslose Menschen.“

Die Lawinen- und Vermisstensuchhundestaffel Salzburg ist eine der ältesten Rettungshundeorganisationen Österreichs. Anlass für die Gründung war das Unglück am Dachstein im Jahre 1954, bei dem 13 Menschen den „weißen Tod“ starben. Aus einer anfangs kleinen Gruppe von Idealisten hat sich heute eine solide Einsatzorganisation entwickelt. Die Staffel ist dem Katastrophenreferat der Salzburger Landesregierung unterstellt. Informationen gibt es unter  www.lawinenhunde.at sowie auf Facebook.

 

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Jährlich nehmen wir 1-2 neue Hunde­führer in die Ausbildung auf, die wenigen Plätze sind sehr begehrt. Bei Interesse an einer Ausbildung informieren Sie sich bitte vorab intensiv über die Anforderungen an Hunde und Hundeführer. Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gerne die Staffelleitung. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!  www.lawinenhunde.at

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